Früher Plage, heute bedrohte Art

Teil 3: Die Rettung des Feldhamsters

Der Feldhamster – einst Plage für die Landwirte, als Schädling eingestuft und verfolgt – steht inzwischen auf der ‚Roten Liste’ bedrohter Tierarten. Die Ursachen für die Überpopulation lagen in idealen Bedingungen, die von der Landwirtschaft vergangener Jahrhunderte geschaffen wurden. Die Ursachen für das Fast-Aussterben liegen u.a. auch in der Landwirtschaft. (Alle Infos hier.)

Jetzt stellt sich die Frage nicht, ob man die Landwirtschaft wieder in die Vergangenheit zurückbeamen sollte, um wieder Hamsterplagen zu haben, sondern wie man mit einem gesunden Maß den Feldhamster in seiner Art erhalten kann und trotzdem eine Landwirtschaft betreiben, die die Versorgung der Menschen mit Nahrungsmitteln sicherstellt. Noch rund 100.000 Feldhamster gibt es in Deutschland.

Die Deutsche Wildtierstiftung zum Beispiel engagiert sich als eine der wenigen Organisationen gezielt und langfristig für den Schutz und Erhalt des Feldhamsters. Dabei arbeitet sie seit zehn Jahren mit Experten zusammen. Hier wird u.a. erforscht, ob Erntestreifen den Hamstern nützen, Schutz und Nahrungsmöglichkeiten bieten. „Wir honorieren Landwirte für eine feldhamsterfreundliche Landbewirtschaftung wie dem Anbau von Luzerne oder dem Belassen von Getreidestreifen in der Region …“ heißt es auf deren Website.

Im Freistaat Thüringen wurde 2018 ein bundesweites Projekt zum Schutz des Feldhamsters gestartet – ein gefördertes Schutzprojekt im Rahmen des Programmes ‚biologische Vielfalt‘ vom Bundesamt für Naturschutz. Im ‚BfN-Projekt Feldhamsterland‘ arbeiten Kooperationspartner verschiedener Bundesländer zusammen. Diese Maßnahme wird von der Deutschen Wildtierstiftung koordiniert. 4,6 Millionen Euro werden innerhalb von fünf Jahren investiert.

In Thüringen erfolgt die Umsetzung durch den Landschaftspflegeverband Mittelthüringen. Mit Hilfe von ehrenamtlichen Unterstützern soll ein ‚Feldhamsternetzwerk‘ aufgebaut und die Bestände großflächig erfasst werden. 2019 wurden bereits 511 Hektar in Thüringen erfasst in den Kreisen Gotha, Erfurt, Weimarer Land, Sömmerda, Nordhausen, Kyffhäuser- und Unstrut-Hainich-Kreis. Ziel ist es, dass die Landwirte in Schutzmaßnahmen einwilligen. Sie erhalten dann eine Zertifizierung als Feldhamsterfreundlicher Betrieb. Derzeit beteiligen sich Landwirte auf einer Gesamtfläche von 154 Hektar am Schutzprogramm. In unserer Gegend gehört Die Geratal-Agrar GmbH&Co. KG Andisleben dazu.

Dazu im nächsten Beitrag mehr.

Quellen: Seminarfacharbeit am Pierre-de-Coubertin-Gymnasium Erfurt zu Thema: Cricetus Cricetus – vom Agrarschädling auf die Rote Liste?! Untersuchungen zum Feldhamster im Thüringer Becken, Verfasser Friederike Stern, Lena Reißer

deutschewildtierstiftung.de.

 

Autor: B. Köhler Foto: Adobe