Die Andislebener Geratal Agrar GmbH & Co. KG beteiligt sich aktiv am Feldhamsterschutz und ist Teil eines Landesprojektes.

Früher Plage, heute bedrohte Art

Teil 4: Andislebener Landwirte schützen Feldhamster

Wir haben in unseren vorangegangen Beiträgen über ideale Lebensbedingungen für Feldhamster und über die Gründe dafür, dass sie von einer Plage zur bedrohten Art avancierten, berichtet. Und darüber wie die Feldhamster, von denen es derzeit deutschlandweit nur noch rund 100.000 Tiere gibt, gerettet werden könnten im Sinne der Erhaltung der Artenvielfalt und einer Natur, die – sofern noch möglich – ausbalanciert ist.

In der Agrar GmbH & Co. KG Andisleben haben die Feldhamster einen Verbündeten gefunden. Hier nämlich werden auf einer Fläche von 20 Hektar, die in fünf jeweils vier Hektar große Parzellen unterteilt wurde, jene idealen Lebensbedingungen geschaffen, die den Hamstern förderlich sind. Ein vielfältiger und die Fruchtfolgen berücksichtigender Anbau von Feldfrüchten findet hier statt. „Alles, was der Hamster gern frisst.“, beschreibt es Feldbauleiter René Döring die Zusammenstellung von Luzerne, Erbsen, Weizen, Gerste, Rüben u.a.m.

Die 20-Hektar-Fläche ist in Parzellen gegliedert, die durch üppige Blühstreifen begrenzt sind. Sie fungieren als Feldraine in dies sich die Hamster zurückziehen können, wenn das Feld abgeerntet wird. Nach der Ernte werden die Getreidestoppeln nicht gleich untergepflügt, sondern bis Anfang September stehen gelassen. So haben die Feldhamster Gelegenheit, mit ausgefallenen Körnern Vorräte für den Winter anzulegen. Apropos untergepflügt – Pflüge kommen in Andisleben schon seit 30 Jahren nicht mehr zu Einsatz. Vielmehr wird der Boden mit Grubbern bearbeitet und damit die Bodenschichten in ihrer natürlichen, selbst aufgebauten Anordnung belassen, ganz ähnlich einem Waldboden. Das hält auch das inzwischen rar gewordene Wasser länger im Boden und macht ihn insgesamt widerstandsfähiger. Eine Ausnahme bildet nur die Bodenbearbeitung im Pfefferminzanbau, hier wird alle sechs Jahre gepflügt.

Für den Feldhamsterschutz erhalten die Landwirte Fördermittel. Sie gleichen den Mehraufwand aus, der durch die kleinteiligen Parzellen, durch die Anlage der Blühstreifen und dadurch, dass die Äcker nach der Ernte nicht gleich wieder bearbeitet und die Stoppeln stehen gelassen werden. So hat der Agrarbetrieb keinen wirtschaftlichen Nachteil. Überhaupt hält man in Andisleben viel von einer naturverträglichen Landwirtschaft. Der große Agrarbetrieb bewirtschaftet 3.600 Hektar Land, hält zudem Kühe und Schweine. Der klassische Kreislauf wird dabei erhalten: Auf den Flächen wird Futter für die eigenen Tiere angebaut und deren Ausscheidungen landen als Dünger wieder auf den Äckern.

„Wir stehen voll dahinter, wir wollen mit der Natur leben.“ fasst Geschäftsführer Bert Kämmerer zusammen: „Es sind zwei Seiten derselben Medaille. Ökonomie und Ökologie sind vereinbar, man muss es nur wollen.“

Das beweisen die Andislebener auch mit ihrem vor drei Jahren neu gegründeten Biobetrieb. Drei Jahre lang hat der Boden in diesem Bereich keine synthetischen Düngemittel und keine Pflanzenschutzmittel gesehen. Jetzt werden hier Dinkel, Roggen, Erbsen, Kartoffeln, Soja und Sonnenblumen in Bioqualität angebaut. In regionalen Kooperationen wie z.B. mit der Mühle Zitzmann Ingersleben und der Bäckerei Bergmann werden weite Wege vermieden. Das tut der Umwelt gut und schützt uns alle, gleichwohl auch den Feldhamster.

 

Autor: B. Köhler Fotos: B. Köhler

Durch Blühstrreifen strukturierte Fläche, nach der Ernte bleibt der Boden noch bis September nicht umbrochen.

Rückzugsgebiete für den Feldhamster.