Der Deich Richtung Ortslage rechts und links der Gerabrücke mit Verteidigungsweg

Überflutungsflächen zu nahe am Ort? 

Hochwasserschutz in unseren Orten ist ein existenzielles Thema. Es gilt, bei Unwetterkatastrophen Wohngebäude, Gewerbeanlagen, Sportstätten, Bahnlinien und landwirtschaftliche Nutzflächen entlang der Gera so gut wie möglich zu schützen, mit unterschiedlichen Prioritäten. Eingebettet ist das für uns bislang erarbeitete Hochwasserschutzkonzept in einen nationalen Gesamtzusammenhang, der die Auswirkungen auf andere Gewässer und auf benachbarte und entferntere Orte berücksichtigt. 

Das Konzept wird am 6. Oktober um 18 Uhr Uhr in der Elxlebener Turnhalle von der zuständigen Thüringer Landgesellschaft vorgestellt. Um vorab bereits grundlegende Informationen allen Bürgern nahezubringen, haben wir bereits zwei Artikel veröffentlicht, weitere werden folgen. Zunächst geht es darum, die insgesamt sehr komplexe Thematik Stück für Stück verständlich zu machen.

Wir betrachten heute die Lage in Elxleben, in weiteren Beiträgen auch die in den Orten flussabwärts bis nach Gebesee. Im uns vorliegenden Konzept heißt es: 

„Entgegen dem bisherigen Zustand mit beidseitig am Gewässer verlaufenden sehr langen Deichlinien entstehen zukünftig kürzere, niedrigere, ortsnahe und über Deichverteidigungswege sicher erreichbare und gut zu verteidigende Anlagen.“.

Was bedeutet dies konkret? Die jetzigen Deiche sollen weg von der Großen in Richtung Mahlgera verlegt und flacher gestaltet werden. So kann der Fluss mehr in die Breite fließen, das Wasser würde dadurch an Kraft und Geschwindigkeit verlieren. In Elxleben befürchtet man jedoch, dass die Polderflächen zu nah an die Ortslage versetzt werden und damit die Gefährdungslage für die Wohnbebauungen erhöht werden könnte. 

Zudem kollidiert das Hochwasserschutzprogramm mit dem bereits geplanten, vorbereiteten und mit Fördermitteln ausgestatteten Bau eines ländlichen Weges der in Teilen auf der Trasse des nach dem Hochwasser 2013 angelegten Deichverteidigungsweges verlaufen und den Ort vom landwirtschaftlichen Schwerverkehr entlasten sollte. (Mehr Informationen hier.)

Die Verknüpfung der Funktionen des Deichverteidigungs- und des ländlichen Weges bot sich zunächst an. Entlang der Gera an der Kleingartenanlage ‚Drei Rosen’ war der Deichfuß stabilisiert und dieser Weg angelegt worden. Dort, wo beim großen Hochwasser 2013 das Wasser durch den Deich zu sickern begann und in der Folge der damalige Feldweg unpassierbar wurde, ist danach ein aufgeschotterter, grundhaft befestigter Weg entstanden. Der sollte eigentlich noch eine Asphaltschicht erhalten, eben um ihn als Teil des ländlichen Weges nutzbar zu machen.

Die Fördermittel für den ländlichen Weg waren bereits im vergangenen Jahr bewilligt und vorbereitende Maßnahmen wie u.a. Vermessungsarbeiten, Baugrundgutachten, die Klärung von Grundstücksfragen und die Verlegung von Kabeltrassen veranlasst worden. Theoretisch hätte in diesem Frühjahr mit den Ausschreibungen der Bauarbeiten begonnen werden sollen. Die Verlegung der Deiche in Richtung Ortslage jedoch macht die Pläne obsolet. Denn dann läge der jetzige Deichverteidigungsweg im Polder, wäre relativ oft überschwemmt und es ergibt keinen Sinn, ihn als Teil des ländlichen Weges auszubauen. 

Ein Vorschlag lag auf dem Tisch: Den ländlichen Weg auf der Krone des neu zu errichtenden, in Richtung Mahlgera bzw. Ortslage zu verlegenden Deiches verlaufen zu lassen und sowohl zur Deichverteidigung als auch für den landwirtschaftlichen Verkehr nutzbar zu machen. Der Gemeinderat hat nach intensiver Prüfung und Debatte mehrheitlich dagegen gestimmt, um sich die Möglichkeit offen zu halten, doch noch eine Verlegung der Deichanlagen in Richtung Ortslage abwenden zu können. Bürgermeister Heiko Koch wurde beauftragt, gemeinsam mit dem Freistaat nach einer konstruktiven Lösung zu suchen. 

„Unsere Einwände wurden bislang ignoriert.“, resümiert auch Bürgermeister Heiko Koch. Nur eines habe man erreicht, dass die statt der ursprünglich geplanten Verwallungen nun DIN-gerechte Deiche errichtet werden sollen, positioniert im Bereich zwischen Großer und Mahlgera.

(Anm.: Verwallungen sind Erdaufschüttungen von bis zu 100 Zentimetern Höhe, die ursprünglich konzipiert worden waren.)

Am Vorhaben des ländlichen Weges wollen Gemeinderat und Bürgermeister aber festhalten. Die bewilligten Fördermittel müssen zunächst zurück gegeben werden, weil sie an Fristen gebunden sind und das Geld bis Oktober dieses Jahres hätte verbaut sein müssen. Heiko Koch baut auf eine Neubeantragung von Fördermitteln. Er hat dazu einen Brief an den zuständigen Landwirtschaftsminister Hoff geschickt, wie er mitteilte.

Fortsetzung folgt.

Vorangegangene Artikel:

„Schwere Kost“, doch ein überlebenswichtiges Thema in unseren Orten

Wasser langsamer machen, zerstörerische Kraft bremsen Hochwasserschutzkonzept regional

Autor: B. Köhler. Fotos: B. Köhler

 

Ausschnitt Plan, 

Übersichtslageplan Überschwemmungsgebiet im Planzustand bei HQ(10) / HQ(100) , Thüringer Landgesellschaft

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