Sabrina Poltermann und Sandy Hölzel übergeben 1.286 Unterschriften an Landrat Harald Henning

Saalerhalt oder Neubau?
Viele Unwägbarkeiten und kaum Alternativen

Elxleben. Am Dienstag präsentierte Landrat Harald Henning in einer der Öffentlichkeit zugänglichen Gemeinderatssitzung die Kosten für eine eventuelle Rückübertragung des ehemaligen Gemeindesaales. Der war im Zuge der Errichtung des neuen Schulanbaus an den Landkreis verkauft worden und soll abgerissen werden, um dort Schulhoffläche neu zu schaffen.

Am 18. Dezember fasste der Gemeinderat den Beschluss, dass Bürgermeister Heiko Koch in gütlicher Einigung erwirken solle, dass der Saal zurück übertragen wird. Da der Landkreis in Vorbereitung des geplanten Abrisses bereits Maßnahmen ergriffen hatte wie z.B. die Errichtung einer Trennwand zwischen Saal und Gasthof und ein Neuanschluss des Gasthofes an die Versorgungsleitungen, sollten diese von der Gemeinde bei einem eventuellen Rückkauf erstattet werden. Zudem müssten Kosten für eine Umplanung des Schulhofes getragen werden. Dem Landkreis sei die für den Schulhof benötigte Fläche im Park kostenfrei zur Verfügung zu stellen. Auch würde ggf. eine Rückzahlung von Fördermitteln, die für den Abriss des Saales geflossen sind, erfolgen. Auf 71.900 Euro beliefe sich diese Zahlung an den Landkreis, einst hatte er für den Saal 21.000 Euro bezahlt.

Seit dem Verkauf des Saales ringt der Gemeinderat um eine Lösung, wo es künftig eine Veranstaltungsstätte für den Ort geben könnte – bislang erfolglos. So war der ehemalige EDEKA-Markt als eine Möglichkeit ins Visier genommen worden oder auch eine Lückenbebauung am Kleinwinternheimer Platz, dort, wo einst die alte Post stand. Der EDEKA-Markt ist aber inzwischen verkauft worden und das Objekt ‚alte Post‘ fand bislang keine Mehrheit, nicht zuletzt, weil sich die Kosten auf 1,3 bis 1,5 Millionen Euro belaufen würden, wie Bürgermeister Heiko Koch bezifferte. Eine vorläufige Planung ist im Anhang zu sehen, sie wurde am Dienstag vom Bürgermeister gezeigt.

Landrat Harald Henning hätte sich die Diskussion um den Saalabriss zwei Jahre früher gewünscht. Allerdings – so wurde eingewandt – war bis vor knapp einem Jahr nicht klar, dass die ursprünglich dem Ort als Ersatz angebotene Nutzung der neuen Schulaula nur sehr eingeschränkt möglich sein würde, genauer: für fünf bis sieben Veranstaltungen im Jahr, keinesfalls aber für private Anlässe. Eine entsprechende Nutzungsvereinbarung, die der Landkreis der Gemeinde zugeleitet hatte, war beim Gemeinderat auf Widerspruch gestoßen.

Elxlebener Bürger hatten Unterschriften gesammelt, um eine gütliche Einigung mit dem Landkreis zu unterstützen und zu dokumentieren, dass der Ort einen Veranstaltungsraum wünscht. Knapp 1.300 Unterschriften waren in kurzer Zeit in der sporadisch durchgeführten Sammlung zusammen gekommen. Eine ‚Delegation‘ übergab dem Landrat die Unterschriften. „Wir haben vieles in Elxleben, um das uns andere beneiden. Aber wir haben keinen Veranstaltungsort. Uns geht es darum, dass wir nach Wegen suchen, wie wir das Problem lösen können. Wir möchten die Sammlung übergeben, um zu zeigen, wie dringlich es ist.“, leitete Klaus Naumann die Übergabe ein.

Gemeinderatsmitglied Harald Bötticher präsentierte eine Kostenschätzung, die 321.000 Euro für die Instandsetzung des Saales einschließlich der Kosten für den Rückkauf auswies. Er wies darauf hin, dass erst eine genaue Begutachtung und Anfrage bei Bauunternehmen ein klareres Bild ergeben könnten. Dazu brauche es Zugang zum Saal und zu Planungsunterlagen. Ersichtlich aber sei, dass die Sanierung des Saales, auch bei höheren als den am Dienstag aufgeführten Kosten wohl immer noch deutlich billiger würde als ein Neubau wie z.B. am Kleinwinternheimer Platz gemäß unten stehender Planung. Zudem hat der alte Saal eine deutlich höhere Platzkapazität als der geplante dort mögliche Neubau. Die Finanzierung könnte durch den Verkauf von gemeindeeigenen Immobilien erleichtert werden. Es bliebe dann noch eine Finanzierungslücke von rund 150.000 Euro zu bewältigen, die über mehrere Jahre ab 2020 aufgebracht werden könnten.

Landrat Henning gab dem Gemeinderat nur wenige Wochen Zeit, die Kosten zu prüfen und eine Entscheidung zu treffen. Dazu genehmigte er den Zutritt zum Saal. Jetzt soll ein sog. Fachplaner mit einer genauen Kostenplanung beauftragt werden. Unter anderem von diesem Ergebnis wird abhängen, wie der Gemeinderat letztlich entscheidet. „Ich bin bereit, wenn die Gemeinde die Kosten trägt.“, so das Fazit vom Landrat. Aber auch er ist dabei nicht alleiniger Entscheider. Der Kreisbauausschuss und der Kreistag müssten dann erst die Rückübertragung beschließen.

Ob den Gemeinderäten gelingt, einen Veranstaltungsort zu erhalten oder neu zu etablieren, bleibt abzuwarten. In einem im Nachgang geführten Telefonat mit Bürgermeister Heiko Koch bekannte er: „Grundsätzlich ist klar, dass der Ort eine Veranstaltungsstätte braucht. Für mich muss es eine Lösung sein, wo man mehrere Dinge vereinbaren, wo Geld multifunktional eingesetzt werden kann.“

Autor: B. Köhler   Fotos: B. Köhler

Gemeinderat Harald Böttcher führt detailliert eine Kostenschätzung für die Saalsanierung auf.


Planung eines Neubaus am Kleinwinternheimer Platz neben ehemaliger Sparkasse auf dem Gelände der inzwischen abgerissenen Post, Kosten von ca. 1,3 bis 1,5 Millionen

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