135 Stimmen zum 135. Geburtstag

Der Witterdaer Männerchor „Cäcilia“ kann auf eine lange Tradition zurückblicken. Jetzt feiert er sein 135-jähriges Bestehen. Am 23. November lädt er dazu nicht nur Gäste, sondern auch befreundete Chöre ein. 135 Stimmen von Sängerinnen und Sängern werden insgesamt erklingen, um der Freude am Singen Raum zu geben und den Männerchor „Cäcilia“ zu feiern.

Neben der Freude am Singen herrschte einst auch ein strenges Regiment. So war die wöchentliche Teilnahme am Chorsingen Pflicht. Wer ohne triftigen Grund fernblieb, dem drohte eine Strafzahlung von 10 Pfennigen – dem damaligen Preis für ein Bier. Um überhaupt im Chor mitsingen zu dürfen, hatten die Bewerber einen schriftlichen Antrag zu stellen und sich einem Eignungstest vor dem gesamten Chor zu unterziehen. Dann wurde abgestimmt – in geheimer Wahl.

1921 schloss sich der Chor dem Thüringer Sängerbund an. Während der beiden Kriege ruhte das Vereinsleben. Nach 1945 erlebte der Chor eine Blütezeit. Doch zuvor machte sich eine Genehmigung, genauer eine Zulassung erforderlich. Die wiederum bedingte, dass ein staatlich geprüfter Musiklehrer den Chor dirigiert. Walter Trenkelbach übernahm den Dirigentenposten und 1948 wurde der Chor unter der Maßgabe, dass neben den alten Weisen vorwiegend neue Lieder zur Aufführung gebracht wurden, zugelassen. Anfang der 50er Jahre übernahm Dirigent Paul Göpfert aus Gispersleben den Chor und sorgte für diszipliniertes Üben einerseits und gesellige Runden andererseits. Der Chor erlangte aufgrund herausragender Leistungen viel Anerkennung, gehörte zu den leistungsstarken Männerchören der Umgebung und belegte mehrfach erste Plätze bei Kreisausscheiden. Zeitweise zählte der Chor mehr als 50 Mitglieder. Das sollte sich in den 1960er Jahren gründlich ändern, denn viele Mitglieder, von Haus aus Bauern, wurden verprellt durch Propaganda im Sinne der Kollektivierung der Landwirtschaft. Singestunden gerieten oft zu Diskussionsrunden und die Mitgliederzahl schrumpfte auf 16. Nur dem Enthusiasmus einiger der verbliebenen Sänger ist es zu verdanken, dass der Chor bestehen blieb. Mehr als zu ‚überleben‘ aber schaffte der Verein nicht. Erst in den 1970er Jahren erholte sich der Chor, jüngere Männer stießen dazu, 1968 waren es 42 Mitglieder. Doch diese Entwicklung hielt nicht an. 34 Chorsänge gibt es aktuell. Bis in die heutige Zeit ist es schwierig geblieben, Männer für das Vereinsleben zu begeistern, obwohl der Chor die Schwelle für Interessenten und potenzielle neue Mitglieder extrem niedrig hält. Heute muss niemand mehr der versammelten ‚Chormannschaft‘ vorsingen.

Nicht nur die freitäglichen Chorproben bestimmen das Vereinsleben, sondern auch rund 20 Auftritte pro Jahr. Ein besonderer Höhepunkt ist die Chorfahrt, die jedes Jahr Ausflugsziele in Thüringen, Hessen oder Bayern in den Fokus nimmt. Der Chorfasching, der alljährlich mit einem gleichermaßen umfangreichen wie unterhaltsamen Programm aufwartet, ist längst Witterdaer Tradition. Vor allem aber ist das Stiftungsfest im November hervorzuheben – in diesem Jahr die Feier zum 135. Chorgeburtstag.

Dazu laden die Sänger in den großen und den kleinen Saal der ‚Goldenen Widder‘ in der Langen Straße 103 ein. 15 Uhr geht es mit Kaffee und Kuchen los. 15.30 Uhr beginnt das Programm, das neben dem Männerchor „Cäcilia“ weitere fünf Gastchöre und die Blaskapelle ‚Thüringer Oldies’ gestalten. Insgesamt 135 Sänger werden stimmgewaltig Volkslieder, Choräle und moderne Chorwerke darbieten. Landrat Harald Henning hat sein Kommen zugesagt, Bürgermeister René Heinemann ebenso. Nach dem Programm sind alle Gäste zu gemütlichen Beisammensein eingeladen. 

Autor: B. Köhler