Gruppenfoto am Radweg zwischen Walschleben und Andisleben (Von links nach rechts: Madlen Benischke; Annika Scholzen, Andreas Bärwolf, Marian Benischke, Christian Vogel, Christian Bärwolf, Leif Schmidt, Andreas Gruhn)

Großes Engagment, schwere Technik und vielleicht Biber

Auch im Winter 2019 / 20 hat der Landschaftspflegeverein Walschleben e.V. seine Bemühungen zum Erhalt und Schutz wertvoller Naturbiotope fortgesetzt. Hierzu engagierten sich an drei Aktionstagen 15 Helfer und die Geratal Agrargenossenschaft Andisleben unter Einsatz von Kettensägen und schwerer Technik. Dabei wurden an verschiedenen Stellen in Walschleben etwa 50 Weiden ‚geköpft’. Dabei wird für jeden einzelnen Baum individuell entschieden, in welcher Höhe und in welcher Form er einen Schnitt benötigt.

Der Erhalt landschaftstypischer Vegetation, die sich über Jahrhunderte entwickelte, ist einer der Gründe für die aufwändigen Arbeiten. Kopfweiden sind Allroundtalente, sie lieferten Baumaterial für die Ausfachung alter Fachwerkhäuser, Brennholz und aus den dünnen Zweigen werden Körbe geflochten und Besen gefertigt. Zudem schützen die Weiden Gewässer und Landschaft vor Erosion, in dem sie mit ihren Wurzeln die Böschungen und Gewässersohle halten.

Der Verschnitt ist auch erforderlich, um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten, denn die großen, dicken Äste sind oftmals unstabil und stellen an stark frequentierten Fußwegen oder Straßen eine Gefahr dar. Verursacher sind hier oft Insekten, die von innen heraus durch ihre Fraßgänge die Nährstoffversorgung des Baumes unterbrechen und irreversiblen Schaden verursachen. Zur Gefahrenprävention müssen die Bäume dann zurückgeschnitten werden.

„Entlang des Radwegs zwischen Walschleben und Andisleben wurde – berechtigterweise – von Passanten der sehr frühe Zeitpunkt des Schnittes hinterfragt, da die Äste doch noch sehr dünn und in gutem Zustand sind.“, resümiert Vereinsvorsitzender Christian Bärwolf. „Der Grund liegt in dem ungleich höheren Aufwand zur Pflege großer Bäume gegenüber kleineren.“, erklärt er.

Die Weiden geben unzählige Insekten, Kleinsäugern und Vögeln ein Domizil. Sie bieten Schutz vor Feinden und Wetter, halten ein reiches Futterangebot bereit und sind der ideale Platz für die Nester unserer bedrohten Vogelarten. Selbst scheinbar „totes“ und abgestorbenes Holz birgt eine Vielzahl an Insekten in sich, und nicht selten sieht man auch die Spuren von Spechten, die dort nach kleinen Insektenlarven suchen. Aus diesem Grund wird bewusst auch abgestorbenes Holz im baum belassen.

Wie wichtig die Erhaltung der Weiden ist, bestätigt sich auch darin, dass es erste Anzeichen dafür gibt, dass sich Biber wieder entlang der Gera ansiedeln. Es konnten an verschiedenen Stellen Fraßspuren des größten europäischen Nagers beobachtet werden. Dieser war seit gut 400 Jahren in Thüringen ausgestorben und wurde 2007 zum ersten Mal in Thüringen an der Saale gesichtet (Quelle: Nabu Thüringen).

Für Interessierte und Neugierige bietet sich bei der kommenden Flurfege am 14. März die Chance die Arbeit des Vereins näher kennen zu lernen und aktiv mit zu machen. Interessierte können sich gern auch die Mail info@lpv-walschleben oder die Telefonnummer 015165186237 nutzen.

Fotos: Jürgen Bärwolf; Christian Bärwolf

Zusammenschieben der Äste