Čumil

    Elch on tour: Bratislava ist alt und jung zugleich

    Ja – wir haben die Rubrik „Elch on tour“ lange nicht mit neuen Inhalten gefüttert. Das lag nicht daran, dass wir nicht unterwegs gewesen wären, wohl eher, dass man für solcherart Berichte Muße braucht. 

    Vor reichlich zwei Wochen hat es uns nach Bratislava „verschlagen“. In der Nähe der Slowakischen Hauptstadt erwartete uns eine interessante Aufgabe. Zwei Nächte verbrachten wir hier im Hotel, doch blieben uns lediglich zwei Abende, um Bratislava – Stadt an der Donau – in Augenschein zu nehmen. Und jede Menge Zeit für Lektüre auf der rund achtstündigen Hinfahrt.

    Was bis 1992 die CSSR war, spaltete sich danach die die Tschechische und die Slowakische Republik auf. Doch war der vormalige Zusammenschluss kein sozialistisches Konstrukt wie wir annahmen, sondern wurde bereits 1918 vollzogen. Denn am Ende des Ersten Weltkriegs beschlossen dies die Alliierten gegen den Willen der Bevölkerung.

    Die slowakische Geschichte und die Bratislavas ist voller Wechselfälle, wem das Territorium unterstellt war. Auch Deutsche Einflüsse gab es hier. Geprägt wurden Land und Stadt in ihrer langen Historie von Kelten, Römern, Germanen, Deutschen, Juden und natürlich Slowaken. Bratislava war ein wichtiges wirtschaftliches Zentrum des Königreichs Ungarn beziehungsweise Österreich-Ungarns und der Tschechoslowakei.

    Schon 550 v. Chr. wurde hier dauerhaft gesiedelt, später kamen – wie gesagt – die Kelten und um 580 dann auch die Slowaken. Pressburg war der deutsche Name (nach dem Sieg der Deutschen über Ungarn 995). Die Tartaren/ Mongolen verwüsteten um die Jahrtausendwende das Land und die Stadt, um 1241 bauten es Deutsche wieder auf und siedelten hier. Zwischen 1563 und 1830 war Pressburg Krönungsstadt des Königreichs Ungarn. Die Geschichte ist ausgesprochen interessant und es lohnt sich, in sie einzutauchen. (Hier würde es den Rahmen sprengen.)

    Was uns beeindruckte: Wir erlebten eine junge, quicklebendige Stadt mit einer schier überbordenden Fülle gepflegter historischer Gebäude. Besonders auffällig sind überlebensgroße Skulpturen überall in der Stadt, die u.a. an die jüngere Geschichte der beiden Weltkriege erinnern. Zudem gibt es eine ganze Reihe weiterer Skulpturen, die das Stadtbild prägen. Da ist wohl die bekannteste Čumil – der Gaffer – schaut aus einem Gullydeckel heraus. 

    Im historischen Stadtzentrum reihen sich Restaurants und Bars aneinander, alle prall gefüllt mit Menschen, die diese lauen Sommernächte zu genießen verstehen. Die Atmosphäre war fröhlich-entspannt – eine wahre Freude, hier einzutauchen – Platz zu nehmen auf ein Glas Wein, die Menschen zu beobachten und eine tip top saubere, architektonisch bemerkenswerte Stadt zu erleben.

    Für uns zu später Stunde überraschend – ein noch geöffnetes Cafè deutschen Namens: Kaffee Mayer. Das historische Interieur beeindruckt, vor allem aber das Angebot an Kuchen, Torten, Pralinen … Wir konnten nicht widerstehen.

    Wikipedia dazu: Vor dem Ersten Weltkrieg wurde das Café häufig von Erzherzogin Isabella von Croÿ-Dülmen und ihren zahlreichen Töchtern besucht. Isabella war eine Erzherzogin von Österreich und die Ehefrau des Erzherzogs Friedrichs der zum Ende des 19. Jahrhunderts in Preßburger Grassalkovich Palais residierte. Wenn Isabella hier einkehrte wurde das Etablissement von den Inhabern für die Öffentlichkeit kurzerhand gesperrt.

    In den 1993er Jahren wurde es revitalisiert und wiedereröffnet.

    Einige Highlights unserer kurzen Stippvisite zeigen unsere Fotos. Und ja – da fahren wir noch einmal hin, in Ruhe und gut vorbereitet.

    Autor: B. Köhler, Fotos: B. Köhler

    Historisches Gebäude des Slowakischen Nationaltheaters am Hviezdoslav-Platz
    Die asymmetrische Hängebrücke Most SNP, eines der Wahrzeichen von Bratislava
    Donau
    Residenz des Präsidenten
    Siegesdenkmal, Befreiung durch die Rote Armee
    Das Michaelertor ist das einzige erhaltene Tor der mittelalterlichen Stadtbefestigung.
    Skulptur vor Kaffee Mayer: Der „Schöne Naci“, eine wohlbekannte Persönlichkeit in Bratislava, war untrennbarer Teil der Hauptstadtpromenade und der Kaffees in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.