Auf dem Weg in ein eigenständiges Leben

Einst waren es Werkstätten der Wasserwirtschaft und das Betriebsgelände der ehemaligen Zuckerfabrik Walschleben, heute ist es das Internat und die Berufsschule Morgenberg sowie Ausbildungslehrwerkstätten. Die Gebäude sind teils neu, teils aufwändig saniert und für die Bildung und Erziehung von Jugendlichen modern ausgestattet. Sie bilden den Rahmen für die pädagogische Arbeit, tragen erzieherischen wie gemeinschaftsfördernden Aspekten in bester Weise Rechnung.

Das Internat kann auf eine mehr als 90-jährige Geschichte zurückblicken: 1923 im Schloss Gebesee als Landerziehungsheim von Jutta Lietz, Lehrerin und Witwe des Reformpädagogen Hermann Lietz gegründet, zu DDR-Zeiten als Jugendwerkhof weiter geführt und nach der Wende von der Lietz-Stiftung wieder übernommen, nach verschiedentlichen Wechseln der Träger wurde es vom langjährigen Leiter der Einrichtung Helmut Jordan mit modernem, pädagogischem Konzept 2001 als „Jugendhilfe Gebesee GmbH“ neu gegründet.

Der Besitzerwechsel im Schloss Gebesee und die ohnehin schwierig und teuer zu erhaltende Bausubstanz der fast 300 Jahre alten Gemäuer ließen den Entschluss reifen, in Walschleben auf dem Morgenberg auf einem 3 Hektar großen Areal einen Neubeginn zu wagen – in neuen Gebäuden, die den Anforderungen einer nach heutigen Gesichtspunkten zu leistenden pädagogischen Arbeit Rechnung tragen. Ein mutiger Schritt. So entstanden bislang 850 Quadratmeter Wohnraum für die Jugendlichen, davon ca. 150 Quadratmeter Gemeinschaftsräume, sechs Ausbildungwerkstätten. Die ehemaligen Wasserwirtschaftswerkstätten und -hallen wurden ebenso aufwändig saniert wie die angrenzende Villa. Sie beherbergt jetzt das Mutter-Kind-Haus (oder auch Vater-Kind-Haus).

Die Jugendlichen, die hier lernen, arbeiten und wohnen, gehören zumeist nicht zu denen, die eine behütete Kindheit hatten. Vielmehr sind sie in einem Umfeld groß geworden, das oftmals ausreichende Zuwendung und Erziehung vermissen ließ. Ihr Weg, der sie schließlich nach Walschleben führte, war alles andere als geradlinig.

Helmut Jordan hat ein Team engagierter Pädagogen und Ausbildungsmeister um sich, das stationäre Heimerziehung, betreutes Wohnen, die Erlangung eines Schulabschlusses und die Ausbildung in acht verschiedenen Berufen ermöglicht. Die Kooperationen mit den umliegenden staatlichen Schulen, insbesondere der Regelschule Elxleben und Straußfurt und dem Gymnasium Gebesee runden die pädagogische Arbeit ab.

In der dreijährigen überbetrieblichen Ausbildung können die Jugendlichen z.B. Tischler, Metallbauer, Maler, Maurer, Gärtner oder Koch werden. Die Werkstätten sind von den zuständigen Kammern anerkannt.

Unverzichtbar für eine gelingende soziale Integration in unsere Gesellschaft ist nicht nur die Hinführung des jungen Menschen zu einer beruflichen Qualifikation, sondern es sind vor allem die vielen pädagogischen Angebote, die Jugendlichen zu einer selbständigen Bewältigung des Alltags anzuleiten. So wird sehr jungen Müttern (manchmal auch Vätern) im Mutter-Kind-Haus für ein bis anderthalb Jahre eine umfassende Lebenshilfe zu teil, von den ganz alltäglichen praktischen Aufgaben bis hin zum respekt- und liebevollen Umgang mit den Kindern.

Auch alle anderen Jugendlichen, die meist erst mit 15 oder 16 Jahren nach Walschleben kommen, lernen, in der Gemeinschaft nach Regeln zu leben, andere zu respektieren, zu achten und erfahren selbst auch diesen Respekt.

„Die Jugendlichen wollen wir ein Stück auf ihrem Weg in ein eigenständiges Leben begleiten,“ formuliert Helmut Jordan den Anspruch der Einrichtung. „Das gelingt in vielen Fällen, manchmal leider nicht. Besonders freuen wir uns, wenn ehemalige Auszubildende uns nach Jahren besuchen kommen, um uns ihre eigene Familie stolz vorzustellen. Das sind die Momente für die wir hier alle arbeiten.“, resümiert der Pädagoge.

Autor: B. Köhler Fotos: S. Forberg