Farbenfrohe Gemälde, eine große Beule im Mauerwerk und ein Bürgermeister, der den Ort mutig zu retten sucht

Ein strahlend goldener Turmknopf und eine ebenso leuchtende Wetterfahne zieren das vor neun Jahren sanierte Turmdach der Kirche St. Peter und Paul in Andisleben. Der Turmknopf – also jene Kugel auf der Turmspitze – beinhaltet Zeitdokumente wie die Chronik der Gemeinde, eine Liste aller Mitarbeiter der Agrar GmbH und aktuell gültige Banknoten. Der Turmknopf ist neu, die Wetterfahne ist noch die aus dem Jahre 1961, grundhaft restauriert. Das Mauerwerk des Turmes wurde neu verfugt.

Die Kirche St. Peter und Paul stammt aus dem Beginn des 14. Jahrhunderts. Damals gehörte Andisleben noch zu Erfurt. Das Erfurter Rad an der Giebelseite ins Mauerwerk eingelassen, kündet davon. 1918 wurden die vier Glocken aus Messing und Kupfer ausgetauscht gegen Stahlglocken.

Während des Zweiten Weltkrieges wurde der Ort beschossen. In Andisleben sind zu dieser Zeit eine Kompanie Wehrmachtsoldaten und eine Kompanie der SS stationiert. Am 10. April stehen die amerikanischen Truppen unmittelbar vor Andisleben. Wehrmacht und SS hatten Andisleben verteidigen wollen, der Ort brannte – eine Mauer der Kirche weist deshalb noch heute eine große Beule auf. Dem damaligen Bürgermeister Paul Schütz und seinem Helfer Kurt Poltermann war es zu verdanken, dass noch größerer Schaden vom Ort abgewendet werden konnte. Denn auf jenem Kirchturm hisste er eine weiße Fahne als Zeichen der Kapitulation. Bei diesem Unterfangen ist er angeschossen worden. Das erfahren wir von Bürgermeister Hans Vollrath, der uns von der Geschichte der Kirche und der damit eng verbundenen Geschichte des Ortes erzählt.

Das Innere der Kirche wirkt bemerkenswert hell und freundlich. Gemälde an den Wänden wirken wie frisch restauriert, sind sie aber nicht. Das Leuchten der Farben hat sich über die Zeit erhalten. Die Balken des Dachgestuhls sind weiß und weisen Lilienornamente auf.

Die Schröter-Orgel aus dem 18. Jahrhundert ist nach Einschätzung von Fachleuten eines der wertvollsten Instrumente in der Region. Sie wurde, so die Chronisten, auf Betreiben von Johann Friedrich Bach, der von 1723 an 20 Jahre lang als Organist in Andisleben wirkte, gebaut. Sie wurde zwischen 1994 und 1996 umfassend restauriert.

Autor: B. Köhler Fotos: S. Forberg